Keine 24 Stunden nach der 79:89 (40:40)-Niederlage am gestrigen Freitag im ersten Saison-Heimspiel gegen die PS Karlsruhe Lions gastiert Medikamente per Klick (MpK) Bayreuth im zweiten Teil des Doppelspieltages der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA am Sonntag, 4. Oktober, um 17 Uhr bei den Kreisbau Kirchheim Knights.
Gegner Kreisbau Kirchheim Knights im Portrait
In der vergangenen ProA-Spielzeit 2025/26 liefen die Kirchheim Knights gegen Saisonende zu sensationeller Form auf. Nachdem schon der sechste Tabellenplatz zum Abschluss der Hauptrunde als Überraschung gelten konnte, trumpften die Knights in den Playoffs groß auf: Im Viertelfinale wurde die BG Göttingen und im Halbfinale die GIESSEN 46ers besiegt, und standen letztlich im Finale gegen Phoenix Hagen. Die Finalserie wurde nach einem 86:82-Heimsieg letztlich durch ein 82:93 in Hagen knapp verloren. Dennoch hätte die Finalteilnehme in den Playoffs sportlich die Aufstiegsberechtigung in die BBL bedeutet. Die Schwaben hatten jedoch darauf verzichtet, einen Lizenzantrag für die höchste deutsche Spielklasse zu stellen, und blieben somit in der zweitklassigen ProA. Profiteur waren die Basketball Löwen Braunschweig, die nach ihrem sportlichen Abstieg mit einer Wildcard in der BBL verblieben.
Immerhin waren die Kirchheimer durch den sechsten Platz nach der Hauptrunde aber erstmals für den BBL-Pokal 2026/27 qualifiziert. In der ersten Pokalrunde unterlagen die Knights zwei Wochen vor dem ProA-Saisonstart dem Erstligisten Ludwigsburg deutlich mit 73:98. Zum Auftakt der ProA-Saison gewann das in weiten Bereichen von Headcoach Igor Perovic neu zusammengestellte Kirchheimer Team überraschend deutlich mit 87:58 gegen die SBB Börde Baskets Wolmirstedt, gegen die MpK Bayreuth in der Saisonvorbereitung noch mit 65:90 unterlegen war. Am gestrigen Freitag gastierten die Kirchheimer in einem „schwäbischen Derby“ bei Aufsteiger Orange Academy Ulm, dem Farmteam von Bundesligist ratiopharm Ulm und gewannen auch diese Partie mit 94:85 (45:41). Kirchheim ist damit optimal mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen in die neue ProA-Saison gestartet. Allerdings tat man sich in Ulm durchaus nicht leicht. Nach dem Vier-Punkte-Rückstand zur Halbzeit lag das Team der Orange Academy zwischenzeitlich nach einem Zwischenspurt im dritten Viertel mit 60:51 in Front, nach 30 Minuten hatte Kirchheim aber wieder mit 63:62 das Kommando übernommen und konnte den Vorsprung im Schlussabschnitt ausbauen.
„Wir hatten unter der Woche kein einziges reguläres Training und mit einigen angeschlagenen Spielern zu kämpfen. Das hat man uns natürlich angemerkt, aber da müssen wir jetzt durch. Ulm hat ein tolles Spiel gemacht. In der Mannschaft steckt unglaublich viel Talent. Ich hoffe die zwei Tage helfen unseren Jungs wieder besser in die Spur zu kommen. Wir werden sie am Sonntag zuhause gegen Bayreuth brauchen,“ sagte Headcoach Perovic nach dem Spiel. Verzichten musste Perovic in Ulm auf Lukas Zerner (Erkältung). Ebenfalls nur eingeschränkt zur Verfügung standen Johannes Patrick und Nico Bretzel, die beide ebenfalls einen Großteil der Woche erkältungsbedingt fehlten.
Aus dem Erfolgsteam der vergangenen Saison konnten die Knights nur den 25-jährigen US-Shooting Guard Tyrel Morgan, den 2,03 Meter große Center Lukas Zerner (25) und dessen Center-Kollege Nicolas Bretzel (2,12 Meter, 27) halten. Im Backcourt kam der 23-jährige US-Shooting Guard Desmond Watson neu. Ausgebildet in der amerikanischen College-Liga NCAA bei den Loyola Ramblers Chicago wechselte Watson im Laufe der vergangenen Saison nach Frankfurt ins ProB-Team der Skyliners Frankfurt Juniors. Auch im Frankfurter BBL-Team kam er bereits zu drei Einsätzen. Mit durchschnittlich 25 Punkten in neun Spielen avancierte Watson zum besten Scorer der gesamten ProB. An diese Leistungen knüpfte der US-Boy auch bei seinen ersten Einsätzen für Kirchheim an und war mit 30 Punkten Topscorer im Pokalspiel gegen Ludwigsburg sowie mit 26 Zählern, sieben Rebounds und fünf Assists auch mit Abstand bester Akteur im ersten Punktspiel gegen Wolmirstedt. In Ulm scorte Watson 14 Zähler.
Im Backcourt neu sind ferner die bundesligaerfahrenen Point Guards Johannes Patrick (24, kam von den MHP Riesen Ludwigsburg) und Adrian Worthy (23, von den Basketball Löwen Braunschweig). Worthy brach sich in der Vorbereitung jedoch den Knöchel und fällt erstmal monatelang aus. Als Ersatz für Worthy wurde der BBL-erfahrene 28-jährige Small Forward Christoph Phillips von der Würzburg Baskets Akademie aus der ProB verpflichtet. Von ProA-Absteiger Uni Baskets Münster kam der 21-jährige Shooting Guard Paul Viefhuis.
An den Brettern verpflichteten die Knights US-Power Forward Philip Alston (25), ebenfalls von den Uni Baskets Münster, sowie den 33-jährigen Center-Routinier Julius Wolf von den Nürnberg Falcons. Philip Alston avancierte mit 22 Punkten am gestrigen Freitag zum Kirchheimer Topscorer bei der Orange Academy Ulm.
Als vorerst letzten Neuzugang verpflichteten die Knights schließlich den 24-jährigen US-Point Guard Corey Hines. Hines hat nach seinen Jahren in der College-Liga NCAA bereits erste Europa-Erfahrung in Serbien Radnicki Kragujevac gesammelt.
In der vergangenen Saison war die Bayreuther Bilanz gegen Kirchheim sehr erfolgreich, nach dem 99:90-Auswärtssieg bei den Schwaben am 16. Spieltag wurde auch das Rückspiel in Bayreuth am 20. Spieltag knapp mit 84:83 nach Verlängerung gewonnen.
Medikamente per Klick Bayreuth hat nach den ersten beiden Saisonspielen zwei Niederlagen zu verzeichnen und ist daher in Kirchheim sicherlich nicht in der Favoritenrolle. Bei der gestrigen 79:89-Heimniederlage gegen die PS Karlsruhe Lions war vor allem eine schwächere zweite Halbzeit (39:49) für das Ergebnis verantwortlich. Besonders an den Brettern zeigte sich in der Reboundbilanz ein klarer Karlsruher Vorteil (32:41).
Mannschaftskapitän Kevin Wohlrath zum Spiel in Kirchheim, seiner „alten Wirkungsstätte“ (von 2018 bis 2021):
„Natürlich freue ich mich, an meine alte Wirkungsstätte zurückzukommen. Kirchheim hat einen sehr sentimentalen Wert für mich. Das war so ein bisschen der Beginn meiner Karriere. Aber das ist alles nur ein netter Beigeschmack. Es ist eher wichtig, dass wir uns selber finden, die Fehlerquellen der bisherigen Spiele ausschalten und an uns selbst wachsen. Das wird ein guter Härtetest, denn in Kirchheim zu spielen, ist nicht einfach. Kirchheim spielt derzeit richtig stark und das ist für uns ein wichtiger Test, um zu sehen, ob wir den nächsten Schritt machen und heranwachsen und unsere Fehler abschalten oder zumindest die negativen Phasen minimieren können. Und wenn dann Kirchheim letztlich besser gespielt hat, dann ist es halt so. Im Endeffekt müssen wir uns auf uns selber fokussieren, drauf schauen, welche Fehler bisher gemacht wurden, dann werden wir sehen, wie das Spiel ausgeht. Natürlich freut man sich, bekannte Gesichter wiederzusehen, aber das ist aktuell nur ein netter Beigeschmack“.
Aus der Historie
Die ewige Bilanz der Bayreuther gegen Kirchheim weist insgesamt zwölf Spiele in der Zweiten Bundesliga bzw. Pro A (Spielzeiten 2006/07, 2008 bis 2010 sowie 2023 bis 2026) auf, hat MpK Bayreuth-Vereinshistoriker Dr. Peter-Michael Habermann herausgearbeitet. Bisher gab es acht Siege (vier Heim- und vier Auswärtssiege) und vier Niederlagen (jeweils zwei Heim- und Auswärtsniederlagen). In den ersten beiden Spielzeiten 2006/07 und 2008/09 gewann Bayreuth alle Spiele. In der Saison 2009/10 gingen beide Begegnungen an Kirchheim, wobei der BBC auswärts beim 87:88 (46:46) nur ganz knapp unterlag.
In den Spielzeiten 2023/24 und 2024/25 ist die Bilanz ausgeglichen: Einem Heim- und einem Auswärtssieg stehen eine Heim- und eine Auswärtsniederlage gegenüber. In der vergangenen Saison gewann der damalige BBC Bayreuth dann beide Spiele.

