BG Steiner-Optik - Vom Zweitligisten zu einem Top-Team der BBL
1984 - 1988
Mit dem finanziellen Engagement der Brüder Carl und Horst Steiner hatte 1984/85 eine neue Basketball-Ära begonnen, die zu einem Aufschwung sondergleichen führen sollte. Nach einer glänzenden Bilanz von 24 Siegen und nur zwei Auswärtsniederlagen konnte am Ende der Saison der sofortige Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga gefeiert werden.


Eine Sensation war 1985 der Einzug der BG Steiner Optik Bayreuth ins Pokalfinale: Als bis heute erster und einziger Zweitligist der Basketball-Historie erreichten die Bayreuther Korbjäger nach hochklassigen Siegen gegen Erstligisten erstmals ein Endspiel um den Deutschen Basketballpokal, wo man jedoch dem ASC Göttingen mit 72:85 unterlag.
1985/86 wieder zurück „im Oberhaus“ erreichten die Schützlinge von Trainer Tom Schneeman auf Anhieb die Play-offs und scheiterten erst im Halbfinale gegen den BSC Saturn Köln. Im Spiel um Platz 3 gewann man beide Spiele gegen den DTV Charlottenburg und konnte damit die bis dahin beste Platzierung einer Bayreuther Basketball-Bundesligamannschaft erringen. Erneut zog man in das Endspiel um den DBB-Pokal ein, musste sich aber diesmal dem TSV Bayer 04 Leverkusen mit 68:80 geschlagen geben.
Mit hohen Erwartungen und dem neuen Trainer John Treloar startete das Steiner- Team in die Saison 1986/87. Nach viel versprechendem Auftakt in der Liga mit sieben Siegen in Folge sorgten erste Auswärtsniederlagen sowie das Pokal-Aus in der zweiten Runde in Bamberg für eine herbe Enttäuschung. Trotzdem erreichten Oldham, Harnett & Co. souverän die Playoffs. Dort verlor die BG Steiner-Optik allerdings unerwartet das Viertelfinale gegen den MTV Gießen (mit Michael Koch) und scheiterte auch beim Spiel um den fünften Tabellenplatz an starken Berlinern.
Mit der Verpflichtung von Trainer Lester Habegger und Spielmacher Michael Koch kehrte der Erfolg nach Bayreuth zurück. Im Play-Off-Halbfinale scheiterte man zwar unglücklich am BSC Saturn Köln, doch im Endspiel um den DBB-Pokal gelang im dritten Anlauf der erste, lang ersehnte Titelgewinn einer Bayreuther Mannschaft: Mit 105:88 gewann Steiner das Finale gegen Köln und wurde Deutscher Pokalsieger 1987/88.
Bayreuths Korbjäger waren nicht mehr nur „heimlicher Stolperstein“ für Favoriten, sondern hatten sich zu einem echten Spitzenteam und Titelaspiranten entwickelt.
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Meilensteine dieser Epoche
Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Das mussten auch die Bayreuther Teams mehrfach erfahren. In bisher 103 Spielen gab es zwar 62 Siege und nur 41 Niederlagen, dennoch scheiterte man im Wettbewerb 16 Mal bereits im Auftaktspiel, so auch zuletzt am 22.09.2023, als Zweitligist BBC Bayreuth im Heimduell dem BBLVertreter MLP Academics Heidelberg mit 82:89 (52:50) unterlag.
Als Zweitligist mit Heimrecht gegenüber den höherklassigen Teams ausgestattet, warf die BG Steiner Optik Bayreuth in der Saison 1984/85 vor eigenem Publikum nacheinander die Bundesligisten aus Leverkusen, Heidelberg und Osnabrück aus dem Pokal. Am 10.3.1985 fand in der Osnabrücker Schlosswall-Halle das Endspiel gegen den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger ASC 46 Göttingen statt.
Der haushohe Favorit und Titelanwärter ging zunächst wie erwartet in Führung. Doch Bayreuth leistete energischen Widerstand und versuchte die Nachteile in Körpergröße und Reboundstärke mit Aggressivität, Schnelligkeit und guter Verteidigung auszugleichen. Nach exzellenter Abwehrarbeit gelang zunächst der Ausgleich zum 14:14, kurze Zeit später führte Bayreuth sensationell mit 35:25.
Zur Halbzeit lagen die Schützlinge von Trainer Tom Schneeman noch mit 35:32 in Front. Doch in der von Kampf und Dramatik geprägten zweiten Halbzeit mit ständig wechselnder Führung schwanden langsam die Kräfte und die Routiniers aus Göttingen setzten sich aufgrund ihrer größenmäßigen Überlegenheit zunehmend durch.
Am Ende gewann der Favorit das Spiel mit 85:72. Für den ersten Zweitligisten in einem Pokalfinale der deutschen Bundesligageschichte bedeutete dies jedoch ein durchaus ehrenvolles Ergebnis.
Für die Bayreuther Punkte sorgten Oldham (22), G. Kämpf (17), Kosterlitz (12), Boyle (10), Oliwa (5), Radensleben (4) und Froese (2). Knecht blieb ohne Korberfolg,Adler und M. Vogel wurden nicht eingesetzt.
Insgesamt erreichte Bayreuth viermal das Pokalfinale und wurde zweimal Deutscher Pokalsieger.
In der Saison 2009/10 fand neben dem Beko-BBL-Pokal ein eigener Wettbewerb der Zweitligisten und Amateure statt, den der BBC Bayreuth nach spannendem 76:72- Finalsieg bei den Cuxhaven BasCats gewinnen konnte. Bei diesem nur ein einziges Mal ausgerichteten Turnier wurde der DBB-Pokal letztmalig in seiner Geschichte an das Team von Bayreuth verliehen.
Von Dr. Peter-Michael Habermann
Um einen fremden Spielort pünktlich zu erreichen und sich in der gegnerischen Halle noch einspielen zu können, ist die rechtzeitige Abfahrt eine wesentliche Grundvoraussetzung. Die Gastmannschaft muss so rechtzeitig am Spielort eintreffen, dass sie den Zeitplan einhalten kann und das Spiel ordnungsgemäß beginnen kann.
In der Spielzeit 1986/87 konnte nach der Spielordnung der BBL dann auf Spielverlust entschieden werden, wenn ein Bundesligist nicht spätestens 15 Minuten nach dem angesetzten Spielbeginn mit mindestens 5 Spielern in Spielkleidung auf dem Spielfeld einsatzbereit ist. Fehlende Spielbereitschaft und Nichtantreten sind nur dann nicht zu vertreten, wenn höhere Gewalt (unvorhersehbares oder unabwendbares Ereignis) gegeben ist.
Am 19.12.1986 machte sich die BG Steiner-Optik auf den Weg zum Ligarivalen SSV Hagen. Etwa 70 Kilometer vor dem Zielort steckte der Mannschaftsbus plötzlich hoffnungslos wegen Schnee- und Eisglätte im Stau fest. Da ein pünktliches Eintreffen der Mannschaft nicht mehr gewährleistet werden konnte, bat man den Fahrer eines Privat-PKWs, vier Spieler der ersten Fünf (Buzz Harnett, Anthony Reuss, Calvin Oldham, Michael Boyle) nach Hagen zu fahren. Der früher beim TSV Hagen aktive Ronald Knecht war bereits separat angereist und schon beim Aufwärmen in der Halle.
Unter abenteuerlichen Witterungsbedingungen kam das Rumpfteam ein paar Minuten zu spät und lief schnell auf das Spielfeld. Hagen jedoch beharrte auf sein Recht: Aufgrund des nicht rechtzeitigen Erscheinens wurde die Partie gegen Bayreuth gewertet. So machte sich das Team von Trainer John Treloar unverrichteter Dinge wieder auf die Heimreise - nicht ohne erneut auf eine vereiste Autobahn zu treffen, welche eine Heimkehr erst am nächsten Morgen ermöglichte.
Trotz des Winterchaos wurde der Fall vor dem DBB-Sportgericht nicht als höhere Gewalt eingestuft. In der Bayreuther Basketball-Geschichte ist dies bislang das einzige Spiel, welches durch eine verspätete Ankunft eines Bayreuther Teams am grünen Tisch entschieden wurde.
Von Dr. Peter-Michael Habermann
Nicht nur in den Oberfrankenderbys gegen Bamberg sowie den Duellen gegen die Ligakonkurrenz aus Leverkusen, Hagen oder Berlin war Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre in der Regel Spannung und Dramatik garantiert. Auch mancher Pokalfight auf nationaler und internationaler Bühne wurde zum legendären Basketballkrimi.
Eine Sensation im Viertelfinale des Europapokals gelang dem krassen Außenseiter Steiner Bayreuth am 6.12.1988 beim mehrmaligen jugoslawischen Meister und Pokalsieger sowie Europapokal-Gewinner Cibona Zagreb. Das mit Nationalspielern gespickte Topteam glaubte sich seines Sieges wohl schon sicher, als es den nur mit einem „Rumpfteam“ von 8 Spielern angetretenen Bayreuthern gegenüberstand. Die Habegger-Schützlinge mussten aufgrund der damaligen Regularien im internationalen Wettbewerb mit Alvin „Bo“ Dukes und Buzz Harnett zwei etatmäßige Akteure der „starting five“ ersetzen. Zudem fehlten die „Youngster“ Michael Brozek und Dirk Vogel aus schulischen Gründen.
In einer über weite Strecken ausgeglichenen Begegnung setzte sich zunächst die mit auffallend größeren Spielern besetzte Mannschaft aus der heutigen Hauptstadt Kroatiens durch, zumal der längste Bayreuther Jacek Duda frühzeitig mit 4 Fouls belastet auf der Bank saß. Zur Halbzeit stand es 46:39 für die Gastgeber.
Doch mit einem Zwischenspurt von 23:7 Punkten machte Bayreuth nach der Pause den zwischenzeitlichen Rückstand wieder wett und ging erneut in Führung. Eine geschlossene und homogene Mannschaftsleistung, permanent vorgetragenes Tempospiel und glänzende Verteidigungsarbeit bildeten letztendlich das Erfolgsrezept gegen die starken „Jugos“.
Sekunden vor dem Ende bewies Uwe Sauer Nervenstärke und verwandelte den entscheidenden Freiwurf zu einem nie erwarteten 80:79-Sieg gegen den haushohen Favoriten.
Für Bayreuth punkteten Reuss (24), Oldham (18), Sauer (14), M. Koch (9), Duda (8), B. Koch (5), Ro. Koch (2) und Re. Koch (0).
Von Dr. Peter-Michael Habermann


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